_Futurization
Autor: Tobias Bowald, Mobilitätsexperte bei WAVESTONE
Digital aktivierte, modulare und klimafreundliche Mobilitätsangebote der Sharing Economy stehen immer höher im Kurs der heute 20- bis 35-jährigen – das gilt auch für den Arbeitsweg. Unternehmen sollten daher die Nutzung solcher Angebote so leicht wie möglich machen, um auch in Zukunft für die talentiertesten Mitarbeitenden interessant zu bleiben.
Was die Gen Z sagt
Was bedeutet für dich Mobilität?
64%
Flexibilität
58%
Unabhängigkeit
54%
Freiheit
Quelle: Ford Mobility Zeitgeist 2020
Mobilitätsbudgets sind attraktiver, sauberer und günstiger
Denn für jüngere Menschen zählt flexible und ihren Bedarfen entsprechende Mobilität immer mehr. Entsprechend ist im betrieblichen Umfeld der klassische Firmenwagen als Gehaltsbaustein auch nicht mehr das alleinige Mittel der Wahl. An seine Stelle treten neue Mobilitätslösungen und digital verwaltete Mobilitätsbudgets für Mitarbeitende – die ihrerseits nur ein Baustein eines umfassenderen Nachhaltigkeitsmanagements bei der betrieblichen Mobilität sein sollten. Unternehmen können damit ihr Profil an drei Punkten schärfen: Die Attraktivität als Arbeitgeber steigt, das Geschäftsmodell wird nachhaltiger und die Kosten sinken.
Warum sind betriebliche Mobilitätsbudgets so interessant?
Die Wahlfreiheit ist entscheidend. Mitarbeitende können mit dem vom Arbeitgeber gewährten Betrag pro Monat die Verkehrsmittel der traditionellen und neuen Mobilitätsangebote, die Firmen und Städte in immer größerer Vielfalt zur Verfügung stellen frei kombinieren. Denn zunehmend widerstrebt es jungen Menschen, eine Stunde hinter dem Lenkrad zu sitzen, um zur Arbeit zu kommen. Der häufigere Wunsch der Arbeitnehmenden ist eine nahtlose Tür-zu-Tür-Mobilität. Das kann beispielsweise so aussehen, dass eine Person aus der eigenen Haustüre treten, den E-Scooter eines Shared-Mobility-Anbieters per QR-Code aktivieren, damit 500 Meter die Straße hinunterfahren, dort in die U-Bahn steigen, nach fünf Stationen wieder aussteigen und die restlichen 800 Meter zum Arbeitgeber mit einem Sharing-E-Fahrrad hinter sich bringen möchte. Denn das ist wirklich nachhaltig, flexibel und nutzerzentriert.
13% aller Großfirmen in Europa setzen bereits auf Mobilitätsbudgets und knapp 30% planen die Einführung.
Quelle: Arval Mobility Observatory 2021
Was empfinden die Mitarbeitenden bei der Nutzung ihres Mobilitätsbudgets?

„Toll, in nur 15 Minuten von der Haustüre zum Schreibtisch, null Parkplatzsorgen, frische Luft geschnappt, schon ein paar Kalorien verbrannt, etwas für das Klima getan und die App vom Arbeitgeber kann ich auch gleich am Wochenende nutzen, um meine Freund:innen und Eltern mit der Bahn zu besuchen. Was ich vom Budget nicht aufbrauche, wird meiner Altersvorsorge gutgeschrieben. Für dieses attraktive Angebot kann ich meinen Arbeitgeber nur weiterempfehlen.“
Und was hat der Arbeitgeber davon?

„Die Einführung unserer Mobilitätsapp „FreeToMove“ hat bei uns bisher 130 Firmenwagen eingespart und damit 800 Tonnen CO2 pro Jahr. Es ist ein richtiges Nachhaltigkeitsprojekt daraus geworden, das auch unseren Investor:innen und anderen Stakeholdern gefällt. Außerdem haben wir im letzten Jahr allein dadurch netto 200.000 Euro an Betriebskosten eingespart. Und wir genießen auch noch Steuervorteile davon, dass die jüngeren Mitarbeitenden das bekommen, was sie in Sachen Mobilität inzwischen bevorzugen.“
Überzeugend sind Mobilitätsbudgets nur in firmenweit integriertem Mobilitätsmanagement
Angebote für Mitarbeiter:innen wie Mobilitätsbudgets sollten nicht isoliert in einer Unternehmensstrategie stehen. Um glaubwürdig zu sein, sollten sie sich vielmehr in ein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept für das betriebliche Mobilitätsmanagement einfügen, in welchem vielfältige Maßnahmen ineinandergreifen. Erst damit schärft ein Unternehmen sein Nachhaltigkeitsprofil gesamtheitlich bei Mitarbeitenden, Kunden und Investor:innen.
Denn die wissen: Dieses Unternehmen spürt im eigenen Geschäftsmodell systematisch und fortlaufend Potenziale auf, um klimafreundlicher und gesellschaftlich nachhaltiger zu funktionieren. Und das ist der Weg in die Zukunft. Neben Nachhaltigkeitsaspekten sind eine Reduktion von Kosten und eine Steigerung der Arbeitgeberattraktivität zentrale Motivatoren für das Vorantreiben eines innovativen betrieblichen Mobilitätsmanagements.

Nachhaltig integriertes Mobilitätsmanagement
So könnte ein nachhaltig integriertes, betriebliches Mobilitätsmanagement aussehen.
Weil jedes Unternehmen anders ist, gibt es auch keine Blaupause für das EINE betriebliche Mobilitätsmanagement. Die folgenden Maßnahmen dürften jedoch für viele Firmen interessant sein. Sie müssen jeweils individuell miteinander zu einer Strategie verzahnt werden.
Betriebliches Mobilitätsmanagement: strategischer Faktor für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen
Modern und digital umgesetzt – etwa in Form frei verfügbarer Mobilitätsbudgets und Mobilitätsapps – wird betriebliches Mobilitätsmanagement zu einem attraktiven Baustein der Gratifikation für Mitarbeiter:innen, spart CO2 ein und verursacht geringere Kosten. Ihre volle Wirkung im Rahmen einer auf die nachhaltige Zukunft ausgerichteten Gesamtmobilität im Unternehmen entfalten solche Maßnahmen aber nur, wenn sie in ein umfassenderes Konzept mit firmeneigenen Serviceangeboten, Infrastrukturen und Managementrollen beim Thema Mobilität integriert werden.
Tobias Bowald
Mobilitätsexperte bei WAVESTONE
Tobias Bowald ist als Mobilitätsexperte seit knapp zehn Jahren im Entwicklungs- und Innovationsumfeld in der Mobilitätsbranche tätig. Sein Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Themen Digitalisierung, Mobilitätsplattformen, agile Applikationsentwicklung, Mobilitätsdaten sowie Nachhaltigkeit im Kontext der Mobilität.

