Der Fall Nordea: Mängel in der Geldwäscheprävention und ihre Folgen

Der Fall Nordea: Mängel in der Geldwäscheprävention und ihre Folgen

Die Nordea Bank, eines der größten und angesehensten Finanzinstitute in Nordeuropa, steht derzeit im Zentrum einer erheblichen Strafmaßnahme. Die New Yorker Finanzaufsichtsbehörde (DFS) hat der Bank eine Strafe von 35 Millionen US-Dollar auferlegt. Der Grund: erhebliche Mängel in der Einhaltung von Vorschriften zur Bekämpfung von Geldwäsche (AML) und Terrorismusfinanzierung.

Im Jahr 2016 wurden die Panama Papers veröffentlicht und sorgten weltweit für Aufsehen. Die Dokumente legten offen, wie zahlreiche Banken, darunter auch Nordea, ihre Kunden bei der Eröffnung von Offshore-Konten unterstützten. Diese Konten wurden häufig genutzt, um Gelder zu verstecken – sowohl vor Steuerbehörden als auch vor den Augen der Gesetzeshüter. Nordea geriet besonders ins Visier, da die Bank offenbar hunderten Kunden dabei geholfen haben soll, Steueroasen zu nutzen, um Geldflüsse zu verschleiern.

Ein besonders kritisches Beispiel ist die Verwicklung von Nordea in den sogenannten „Russian Laundromat“. Dabei handelte es sich um ein Netzwerk, über das russische Kriminellen mehr als 20 Milliarden US-Dollar durch westliche Banken schleusten. Nordea spielte dabei eine zentrale Rolle und ließ offenbar Gelder durch ihre Systeme fließen, ohne ausreichend darauf zu achten, woher diese stammten oder wohin sie gingen.

Die Untersuchung der DFS deckte noch weitere Schwachstellen auf, insbesondere in den ehemaligen baltischen Filialen von Nordea. Diese Filialen galten aufgrund ihrer Lage und der geopolitischen Gegebenheiten als besonders risikobehaftet. Trotzdem fehlten dort offenbar die nötigen Vorkehrungen, um potenzielle Geldwäsche effektiv zu verhindern. Die Überwachungssysteme waren veraltet und oft nicht in der Lage, verdächtige Transaktionen rechtzeitig zu erkennen. Dabei wird einigen Entscheidungsträgern der Bank, zumindest in Teilen, auch die fehlende Absicht dazu unterstellt.

Diese Mängel führten dazu, dass Nordea einem erheblichen Risiko ausgesetzt war, das nicht nur die Bank selbst, sondern auch das globale Finanzsystem gefährden konnte. Besonders bedenklich: Die Bank wusste um diese Probleme, reagierte jedoch nicht angemessen darauf.

Ein weiterer wesentlicher Kritikpunkt der DFS war der Umgang von Nordea mit ihren Korrespondenzbankbeziehungen, insbesondere in den USA. Korrespondenzbanken sind für internationale Finanztransaktionen von entscheidender Bedeutung. Wenn Banken jedoch nicht sorgfältig prüfen, mit wem sie zusammenarbeiten, können solche Beziehungen schnell zum Einfallstor für illegale Aktivitäten werden.

Nordea hat offenbar bei der Auswahl und Überwachung ihrer Korrespondenzbanken nicht die nötige Sorgfalt walten lassen. Dadurch wurden die ohnehin schon vorhandenen Risiken in den USA verstärkt, was die New Yorker Finanzaufsicht schließlich zu einer empfindlichen Strafe veranlasste.

Interessanterweise gibt es bisher keine (offiziellen) Berichte darüber, dass europäische Aufsichtsbehörden in diesem Fall Maßnahmen ergriffen haben. Obwohl Nordea eine europäische Bank ist, liegt der Schwerpunkt der Reaktionen bisher eindeutig bei den US-amerikanischen Behörden. Es bleibt abzuwarten, ob europäische Regulatoren in Zukunft aktiv werden, insbesondere wenn die Untersuchungen weitere Schwachstellen in den europäischen Operationen der Bank aufdecken. Vielleicht sind die europäischen Regulatoren derzeit einfach zu sehr mit dem Aufbau des AMLA beschäftigt, um sich mit solchen Fällen zu befassen – aber das dürfte Nordea trotz eines gewissen Zeitgewinns wenig trösten.

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