Die Rolle des CO₂-Fußabdrucks in der Kapitalanlage von Versicherern

Die Rolle des CO₂-Fußabdrucks in der Kapitalanlage von Versicherern

Die Unternehmen der Versicherungswirtschaft können mit den Investitionen im Rahmen ihrer Kapitalanlage einen bedeutenden Beitrag zur grünen Transformation der Wirtschaft leisten. Laut einer Umfrage des Gesamtverbandes der Versicherer (GDV) von Ende 2023 haben sich Versicherer, die zusammen 90 Prozent der Kapitalanlagen im deutschen Versicherungsmarkt verwalten, dazu verpflichtet, ihre Investments klimaneutral auszurichten. Damit wollen sie ihrer Verantwortung für eine nachhaltige Finanzwirtschaft gerecht werden.

Zusätzlich hätten knapp 70 Prozent der Versicherer konkrete Pfade für die Erreichung dieser Ziele definiert. Zur Steuerung der Zielerreichung ist es unabdingbar, den Carbon Footprint der Kapitalanlage jährlich in bestmöglicher Qualität zu erheben und über die Ergebnisse zu berichten.

Der CO₂-Fußabdruck der Kapitalanlagen deutscher Versicherer lag 2023 bei 61 Tonnen CO₂ pro Million Euro Kapitalanlage (M€ KA) und damit unter dem Vorjahreswert von 79 TonnenCO₂ pro M€ KA. Dies geht aus dem Nachhaltigkeitsbericht 2024 des GDV hervor. Auch wenn diese Entwicklung im Einklang mit den CO₂-Reduktionszielen der Versicherer steht, warnt der GDV vor einer Überinterpretation des CO₂-Fußabdrucks.

Die alleinige Fokussierung auf den CO₂-Fußabdruck auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Kapitalanlage wird von der Branche kritisch gesehen, da dessen Aussagekraft teilweise begrenzt ist und eine Fokussierung auf bessere politische Rahmenbedingungen für nachhaltigere Investitionen als wichtiger erachtet wird.

Gestützt wird diese Position durch die Tatsache, dass derzeit nur börsennotierte Aktien und Unternehmensanleihen sowie Immobilieninvestments bei der Erhebung des CO₂-Fußabdrucks von Kapitalanlagen berücksichtigt werden. Eine vollständige Erfassung der Emissionen ist jedoch auch hier nicht gegeben, da die sogenannten Scope 3 Emissionen bisher nicht berücksichtigt werden. Zudem muss eine Reduktion des CO₂-Fußabdrucks nicht gleichbedeutend mit tatsächlichen Emissionsreduktionen in der Realwirtschaft sein. So trennen sich Unternehmen beispielsweise von emissionsintensiven Investments, anstatt gemeinsam mit dem Portfolio-Unternehmen an einer tatsächlichen Reduktion zu arbeiten. Darüber hinaus sind gute politische Rahmenbedingungen für nachhaltige Investments ein wichtiger Hebel, um eine grüne Transformation des Portfolios zu ermöglichen.

Zu beachten ist aber auch, dass der CO₂-Fußabdruck eine elementare Steuerungsgröße für die Erreichung der Net-Zero-Ziele der Versicherer darstellt. Erst durch die Betrachtung der Emissionen kann die Wirkung nachhaltiger Investments im Portfolio transparent dargestellt werden. Hier gilt es zukünftig sicherzustellen, dass die Rahmenbedingungen für eine möglichst vollständige Berücksichtigung der Kapitalanlage bei der Berechnung des CO₂-Fußabdrucks geschaffen werden.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sowohl die Verbesserung der Rahmenbedingungen für nachhaltige Kapitalanlagen als auch eine präzisere Methodik zur Berechnung des CO₂-Fußabdrucks für die Versicherer entscheidend sein werden, um ihre Net-Zero-Ziele in der Kapitalanlage zu erreichen.

 

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