_Futurization
Autor: Dr. Stephan Blankenburg, Automotive-Experte bei WAVESTONE
Die Pandemie hat der Digitalisierung in Unternehmen Schub verliehen, so die einhellige Expert:innenmeinung. Spätestens jetzt ist klar: Nur wer weiterhin die technologischen Möglichkeiten nutzt, wird effizient und effektiv arbeiten und damit erfolgreich sein. Diese fünf Technologien sollten Unternehmen auf der Agenda haben:

Hyperautomation:
Wenn Bots wie Menschen sprechen
Die Automation von Prozessen wird in der IT-Landschaft von Unternehmen durch verschiedene technologische Ansätze vorangetrieben. Bereits seit längerem genutzte regelbasierte Verfahren wie Workflow-Management-Systeme oder Robotics Process Automation werden in jüngster Zeit mit Methoden der künstlichen Intelligenz, wie zum Beispiel Natural Language Processing kombiniert. Dies wird unter dem Begriff Hyperautomation zusammengefasst. Mittels Hyperautomation lassen sich auch komplexe und kognitiv anspruchsvolle Geschäftsprozesse optimieren und automatisieren. Als ein prominentes Anwendungsbeispiel seien intelligente Voice- oder Chatbots genannt, die die Anwender:innen von der Erkennung des Anliegens bis zu dessen Lösung mit nahezu menschlicher Kommunikationsfähigkeit durch den Prozess begleiten und diesen gleichzeitig steuern. Dies trifft vor allem dort auf hohe Kundenakzeptanz, wo einfache Prozesse – etwa Bestellungen oder Terminvereinbarungen – auf ein starkes Kundenbedürfnis nach Convenience treffen. Nur logisch, dass dem Analysehaus Gartner zufolge die Hyperautomation zu den zehn einflussreichsten Technologietrends zählt.

Cybersecurity Mesh:
Neue Sicherheitsstruktur für die hybride Arbeitswelt
Cyberangriffe sind noch vor Schäden durch die Pandemie oder den Klimawandel für Unternehmen die größte Gefahr. Das fand der Industrieversicherer AGCS in seinem aktuellen Risikobarometer heraus. Doch wer in einer immer hybrideren Arbeitswelt effizient und damit erfolgreich arbeiten will, kommt an Remote-Work und Cloud-Technologie nicht vorbei. Das wiederum erfordert von Unternehmen ein großes Augenmerk auf das Thema Cybersicherheit zu legen. Eine besondere Herausforderung auf diesem Gebiet: Daten können überall liegen, sodass traditionelle Sicherheitsmethoden nicht mehr ausreichen. Die Lösung: Cybersecurity Mesh, eine Sicherheitsstruktur, die Datenbestände unabhängig vom Ort schützt und Menschen sicheren Zugriff darauf verschafft. Cybersecurity Mesh verbessert die Gesamtsicherheit, indem es die Zusammenarbeit von branchenführenden, eigenständigen Sicherheitslösungen ermöglicht. Gleichzeitig können Unternehmen schnell und zuverlässig Identität, Kontext und Einhaltung von Richtlinien in Cloud- und Nicht-Cloud-Umgebungen überprüfen. Cybersecurity Mesh sollten Unternehmen daher weit oben auf ihre Technologie-Agenda setzen, damit ihre Teams effizient und sicher arbeiten können.

Entscheidungsintelligenz:
Lösungen schneller finden
In einer immer komplexer und unsicherer werdenden Welt bei gleichzeitig steigender Verfügbarkeit von Informationen und Daten stößt auch die menschliche Entscheidungsfindung an ihre Grenzen. Dieses Umfeld macht es Mitarbeiter:innen zunehmend schwieriger Entscheidungen zu treffen und somit die Weichen für die Weiterentwicklung ihrer Organisationen zu stellen. Unterstützung erhalten Unternehmen auf diesem Gebiet künftig von der sogenannten „Decision Intelligence“. Mithilfe von Intelligenz und Analytik lassen sich Prozesse modellieren, die eine Vielzahl an Variablen berücksichtigen. Auf dieser Grundlage können Menschen schneller und besser Entscheidungen treffen – und zwar in allen Unternehmensbereichen. Beispielsweise lassen sich mithilfe von KI Markttrends aufgreifen und analysieren, die für Entscheider:innen nicht offensichtlich, aber für künftige Investitionsentscheidungen ausschlaggebend sind. So sorgt die Kollaboration zwischen Entscheidungsträger:innen und intelligenten Maschinen nicht nur für schnellere, effizientere Entscheidungen, sondern bedeutet für Unternehmen künftig einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Data Fabric:
Basis für effiziente Datenarbeit
Datenexpert:innen verbringen einen Großteil ihrer Arbeit mit Aufgaben, die nichts mit der eigentlichen Analyse von Daten zu tun haben, da Datenquellen und Datenmenge stetig zunehmen und es häufig an Datenqualität mangelt. Effizientes Arbeiten ist so schier unmöglich. Dabei könnten sich Unternehmen, die Daten effizient nutzen, entscheidende Wettbewerbsvorteile sichern. Unterstützung bei Datenanalysen und Datenverwaltung erhalten Unternehmen durch eine sogenannte „Data Fabric“. Dieses Design-Konzept ermöglicht ein effizientes und zentrales Datenmanagement und somit die Verwendung von Künstlicher Intelligenz und Machine Learning zur Optimierung verschiedenster Geschäftsprozesse. Das vereinfacht die Verwaltung von Daten und sorgt dafür, dass Datenexpert:innen zu ihrer eigentlichen Aufgabe kommen: Mittels Daten Mehrwerte für das Unternehmen schaffen und es dadurch zukunftsfähig machen.

Metaverse:
Digitale Zwillinge verhindern Fehler
Im Metaverse hebt sich der Unterschied zwischen realer und digitaler Welt ein Stück weit auf. Von Werkshallen bis in die Meetingräume wird die Technologie die Unternehmenswelt der Zukunft prägen. Zu New Work gehört künftig nicht nur Remote Work als Standard, sondern auch das Metaverse. Hier werden Mitarbeiter:innen Meetings oder Schulungen mithilfe von Avataren oder sogar mit getreuen Abbildern ihrer selbst durch Holoportation abhalten. Das macht die internationale Zusammenarbeit effizienter und vor allem auch nachhaltiger, da Geschäftsreisen zum Großteil überflüssig werden. Schon dieses Jahr ermöglicht beispielsweise Mesh für Microsoft Teams Nutzer:innen an verschiedenen Standorten gemeinsame holografische Erlebnisse durch personalisierte Avatare in immersiven Räumen.
Nach der Futurologin Amy Webb birgt das Metaverse besonders im Bereich der virtuellen Planung für Unternehmen weiteres Potenzial. Durch neue Lösungen, wie etwa die Omniverse-Plattform des Grafik- und KI-Chipentwickler Nvidia, lassen sich virtuelle Abbilder von Prozessen und Designs aus unterschiedlichsten Anwendungen in einer gemeinsamen Simulation zusammenführen und in Echtzeit auswerten.
Das erleichtert nicht nur die Kollaboration verschiedener Projektteams, sondern trägt auch zur Steigerung der Effizienz bei der virtuellen Planung oder Konstruktion bei. Nach Analysen des kanadischen Forschungsinstituts Emergen Research wird das globale Marktvolumen aller mit dem Metaverse verbundenen Technologien und Dienstleistungen von knapp 50 Milliarden US-Dollar 2020 auf bis 800 Milliarden US-Dollar 2028 ansteigen.
Fazit
Diese fünf Trends zeigen: Effizient arbeiten lässt es sich in Zukunft nur mithilfe von neuen Technologien. Und das nicht allein in einzelnen Geschäftsfeldern oder Unternehmensbereichen, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette einer Organisation vom Produkt über Prozesse bis hin zu Managemententscheidungen. Denn richtig eingesetzt, sind diese fünf Technologien zu viel mehr in der Lage, als an einem bestimmten Punkt im Unternehmen Kosten zu sparen. Sie steigern die Effizienz von Unternehmen ganzheitlich und sichern damit den zukünftigen Unternehmenserfolg nachhaltig.
Dr. Stephan Blankenburg
Automotive-Experte
Dr. Stephan Blankenburg verantwortet den Bereich Automotive bei WAVESTONE. Vor seinem Wechsel zu WAVESTONE war er viele Jahre in den Bereichen Strategie-, Organisations- und Prozessberatung sowie für die Bereich Business Development und Technologieentwicklung bei und für verschiedene Unternehmen tätig. Neben seinen Beratungsschwerpunkten aus den Bereichen Strategie, Cultural Change und Digitalisierung interessiert er sich für Themen wie Leadership und Future Technologies.

