Zwischen Anwaltsgeheimnis und Transparenz: Wie die Schweiz den Geldwäsche-Tango tanzt

Zwischen Anwaltsgeheimnis und Transparenz: Wie die Schweiz den Geldwäsche-Tango tanzt

Zwischen Anwaltsgeheimnis und Transparenz: Wie die Schweiz den Geldwäsche-Tango tanzt

Der Druck auf die Schweiz, mehr gegen Geldwäsche und Finanzkriminalität zu unternehmen, hat zugenommen. Dies ist insbesondere die Folge der geopolitischen Spannungen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine und den Sanktionen gegen Russland. Die Schweizer Regierung plant, das Gesetz zur Geldwäscheprävention zu verschärfen und ein Register aller wirtschaftlich Berechtigten hinter Unternehmen, Stiftungen und Trusts zu schaffen. Diese Neuerungen sollen in den kommenden Wochen vorgestellt werden.

Die Pläne sehen vor, dass nicht nur Banken, sondern auch Anwälte, Notare und Treuhänder strenge Sorgfaltspflichten in Bezug auf Geldwäsche erfüllen müssen. Die Verschärfung war bei der letzten Gesetzesrevision noch auf den Widerstand der Anwälte gestoßen, die sich auf das Anwaltsgeheimnis beriefen. Dennoch erhöht die Financial Action Task Force (FATF), eine internationale Plattform gegen Geldwäsche, den Druck auf die Schweiz, weitere Maßnahmen zu ergreifen. Das Register soll es Strafverfolgungsbehörden erleichtern, Korruption und Geldwäsche wirksamer zu bekämpfen, indem Hintermänner komplexer Firmenstrukturen leichter ausfindig gemacht werden können. Dies ist besonders relevant, da die Schweiz geschätzte 2,4 Milliarden Dollar an ausländischen Vermögenswerten beherbergt.

Allerdings gibt es Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und des Zugriffs auf dieses Register. Der Bundesrat plant, den Zugang zum Register auf „einschlägige Behörden“ zu beschränken, während NGOs wie Transparency Schweiz auf mehr Transparenz und breiteren Zugang drängen.

Entscheiden wird sein, wie das Gesetz im Detail ausgestaltet wird. Fragen wie die Definition des „wirtschaftlich Berechtigten“ oder wer Zugang zum neuen Register haben soll, sind strittige Punkte. Für die Schweiz ist jedoch klar, dass Handlungsbedarf besteht, nicht nur um den internationalen Druck zu mildern, sondern auch um die Integrität des eigenen Finanzplatzes sicherzustellen.

Fazit:

Die Schweiz befindet sich in einer kritischen Phase, in der sie zwischen nationalen Interessen und internationalen Erwartungen abwägen muss. Der geplante Kurswechsel im Kampf gegen Geldwäsche und Finanzkriminalität ist ein komplexer Tanz, der Fingerspitzengefühl erfordert. Einerseits steht das traditionelle Anwaltsgeheimnis, das als Hindernis für umfassende Transparenz gilt. Andererseits drängt der internationale Druck die Schweiz, mehr Offenheit und Kontrolle im Finanzsektor zu zeigen.

Wie bei einem Tango müssen beide Partner – in diesem Fall Anonymität und Transparenz – in Harmonie miteinander agieren, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Diese Balance zu finden, wird nicht einfach sein. Entscheidend wird sein, wie das Gesetz im Detail ausgestaltet wird und wie weit die Schweiz in Richtung Transparenz gehen kann, ohne das Vertrauen in ihren Finanzsektor zu erschüttern.

Die geplanten Maßnahmen könnten der erste Schritt in einem längeren Tanz sein. Doch wenn die Schweiz diesen Tanz gekonnt meistert, kann sie ihre Position als sicherer und vertrauenswürdiger Finanzplatz festigen und gleichzeitig ein Zeichen gegen Finanzkriminalität setzen. Nur so kann der Geldwäsche-Tango erfolgreich beendet und ein neues Kapitel in der Finanzgeschichte der Schweiz aufgeschlagen werden.

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