Zwischen Stabilität und Wandel: Was Versicherer laut BaFin erwartet
Zwischen Stabilität und Wandel: Was Versicherer laut BaFin erwartet
Im Rahmen ihrer Rede beim Handelsblatt Strategiemeeting Lebensversicherung am 4. September 2025 hebt Julia Wiens, Exekutivdirektorin Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht bei der BaFin, hervor, dass die Lage der deutschen Lebensversicherer weiterhin solide ist. Dennoch steht die Branche vor vielfältigen Herausforderungen: Neben der wirtschaftlichen Situation rücken Wohlverhaltensaufsicht, technologischer Wandel und regulatorische Entwicklungen in den Fokus. Die Rede macht deutlich, dass sich Versicherer mit Veränderungen auseinandersetzen müssen, um zukunftsfähig zu bleiben.
Betrachtet man die aktuellen Zahlen, so sind die Bruttobeitragseinnahmen der deutschen Lebensversicherer im Jahr 2024 leicht gestiegen. Dies ist insbesondere auf die Erholung des Neugeschäfts gegen Einmalbetrag zurückzuführen. Klassische Lebens- und Rentenversicherungen verzeichnen jedoch weiterhin einen Rückgang, während fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen und Hybridprodukte zulegen. Die Kapitalanlagen weisen stabile, aber steigende stille Lasten auf. Die Solvenzkapitalanforderungen (SCR) werden zwar weiterhin erfüllt, allerdings ist die ausgewiesene SCR-Bedeckung gesunken. Die BaFin betont dabei, dass wirtschaftliche Stärke allein nicht ausreicht. Entscheidend ist das Vertrauen der Kundinnen und Kunden, das durch angemessenen Kundennutzen und klar definierte Zielmärkte gestärkt werden muss.
Zudem sollen Versicherer in moderne, stabile und sichere IT-Systeme investieren, insbesondere mit Blick auf steigende Cyber-Bedrohungen. Die BaFin sieht weiterhin Verbesserungsbedarf im IT-Risikomanagement und fordert gezielte Investitionen in die IT-Sicherheit. Auch die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) nimmt zu, birgt aber gleichzeitig neue Risiken. Daher fordert die BaFin ein angemessenes Modellrisikomanagement sowie eine Governance, die alle Risiken erfasst und kontrollierbar macht. Dabei sollen Menschen die Entscheidungsprozesse weiterhin überwachen und bei Bedarf eingreifen können.
Darüber hinaus bringt der Solvency-II-Review zahlreiche Änderungen bei den quantitativen Anforderungen mit sich. Angesichts dessen, setzt sich die BaFin für eine stärkere Risikoorientierung und den Erhalt hoher Kapitalanforderungen ein. Auch die Proportionalität wird künftig stärker berücksichtigt, wodurch insbesondere kleinere und weniger komplexe Unternehmen entlastet werden. Ab 2027 gelten für sogenannte Small and Non-Complex Undertakings (SNCU) vereinfachte Anforderungen bei Own Risk and Solvency Assessment (ORSA) und Regular Supervisory Report (RSR). Unternehmen, die künftig nicht mehr unter die Richtlinie fallen, sind zudem von Vorgaben des Digital Operational Resilience Act (DORA) ausgenommen.
Abschließend betont Julia Wiens, dass die Branche insgesamt gut aufgestellt ist. Sie fordert jedoch, dass Versicherer auch zukünftig die richtigen Prioritäten setzen. Im Fokus stehen hierbei Kundennutzen, Innovationsbereitschaft und ein robustes Risikomanagement. Die Regulierung soll wirksam und effizient bleiben, was auch bedeutet, dass sie proportional zum Risikoprofil des Unternehmens ausgestaltet wird. Offenheit und frühzeitiger Austausch mit der Aufsicht werden dabei als besonders entscheidend hervorgehoben. Die Branche kann also ihre guten Perspektiven sichern, wenn sie sich nicht auf bisherigen Erfolgen ausruht, sondern die in der Rede angesprochenen Veränderungen aktiv und vorausschauend gestaltet.
